Wilhelms Schroers Lebenserinnerungen

Widerstand und Wiederaufbau in Delmenhorst. 3. Auflage. Selbstverlag. Herausgegeben von Heiko Honisch und Hans-Joachim Olczyk.

Es war irgendwann im Jahr 1981, wenige Wochen vor seinem Tod, nach einem der vie len endlos langen Besuche bei Wilhelm Schroers, als er mir beim Verabschieden einen dicken gelben Ordner kommentarlos in die Hand drückte. Auf meine Frage, was in dem Ordner sei und was ich damit soll, sagte er nur: „Junge, mach` da was Vernünftiges mit.“ In diesem Ordner befanden sich ca. 250 eng beschriebene Schreibmaschinenseiten – die Lebenserinnerungen von Wilhelm Schroers, die er seit etwa 1950 niedergeschrieben hatte. Er beschreibt darin eindrucksvoll seinen Widerstand gegen die deutschen Faschisten und seine politische Verfolgung, das Grauen des 2. Weltkriegs in Delmenhorst, aber auch seinen Beitrag zum Wiederaufbau der Stadt nach der Befreiung vom Hitler-Terror. Darum haben wir den Text im Original übernommen, damit die Authenzität der Erzählun gen auch sprachlich erhalten bleibt. Nachdem ich das Manuskript vollständig gelesen hatte, war mir klar, dass es unbedingt veröffentlich werden muss. Einige Passagen daraus sind zwar schon auszugsweise in meistens wissenschaftlichen Arbeiten zitiert worden, das gesamte Werk wartet aber noch auf seine Veröffentlichung. Es belegt sehr anschaulich, dass man im Nazi-Deutschland kein prominenter Regimekritiker sein musste, um von den Nazis verfolgt zu werden. Das Gegenteil war der Fall, denn die Namenlosen konnten viel leichter von den Nazis erniedrigt und gequält werden, ohne das es jemanden wirklich interessierte. Wir dürfen nicht vergessen, dass es schon reichte, wenn eine illegale Zeitung, eine politische Broschüre, eine Spendenmarke oder ein Flugblatt bei ihnen gefunden wurde, um sie die bestialische Härte der Nazis spüren zu lassen. Viele Nazisbarbereien konnten erst nach 1945 durch Erzählungen oder Berichte wie die sen aufgeklärt werden und nur so konnte den vielen namenlosen Widerstandskämpfer:inn:en der ihnen zustehenden Platz in der Geschichte eingeräumt werden. Über Jahre war es leider nicht möglich, die hier vorliegenden Texte zu veröffentlichen, da es wenig gesellschaftliches und politisches Interesse daran gab und die eigenen finanziellen Möglichkeiten eine Eigenpublikation nicht zuließen. Vor wenigen Jahren hatte sich beim Delmenhorster DGB ein Arbeitskreis gegründet, der sich mit diesem Teil der Geschichte und dem Wirken von Wilhelm Schroers beschäftigte sowie die Veröffentlichung seines künstlerischen Nachlasses zum Ziel hatte. Trotz in tensiver Arbeit ist dieses Projekt aus unterschiedlichsten Gründen nicht beendet worden und eine Fortsetzung ist nicht zu erwarten. Darum haben wir beschlossen, wenigstens die Lebenserinnerungen von Wilhelm Schroers als Buch auf eigene Kosten zu veröffentlichen. Wir halten sie für zu wertvoll, dass sie weiterhin in einem Aktenorder eingesperrt werden. Heiko Honisch  und Hans-Joachim Olczyk

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